Ukraine: Teil 11
ab Juni 2026

Hinweis: gewisse Sachverhalte werden in westlichen, ukrainischen und russischen Medien unterschiedlich dargestellt. Das gilt ganz grundsätzlich, ganz besonders aber bei Kriegs- und Konfliktsituationen, wo jeweils die krasseste Propaganda stattfindet.

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13.06.2026 Russischer Atomschlag gegen Europa zur Wiederherstellung der Abschreckung

Übersetzung und Zusammenfassung des Videos von Glenn Diesen mit John Mearsheimer und Sergej Karaganov

John Mearsheimer und Sergey Karaganov erörtern, warum Russland unter zunehmendem Druck steht, seine Abschreckungskraft wiederherzustellen, was wahrscheinlich rasch zu einem Atomschlag gegen Europa eskalieren würde. Mearsheimer und Karaganov sind sich einig, dass ein Atomschlag wahrscheinlich erfolgreich wäre, um die Abschreckung wiederherzustellen, da die USA nicht reagieren würden.

Prof. Karaganov ist Ehrenvorsitzender des Rates für Aussen- und Verteidigungspolitik und war jahrzehntelang Berater der politischen Eliten Russlands. Prof. Karaganov verfasste Reden für Breschnew und beriet Gorbatschow, Jelzin und Putin. Prof. Mearsheimer ist R. Wendell Harrison Distinguished Service Professor am Institut für Politikwissenschaft der University of Chicago.

Moderation: Glenn Diesen, Politologe und Professor an der Universität Südost-Norwegen in Horten.

Gesamtanalyse des Gesprächs zwischen John Mearsheimer und Sergej Karaganow (mithilfe von DeepSeek)

Teil 1: Kernargumente und zentrale Thesen

Das Gespräch zwischen dem US-amerikanischen Politikwissenschaftler John Mearsheimer (University of Chicago) und dem russischen Strategen Sergej Karaganow (ehemaliger Berater Gorbatschows, Jelzins und Putins) zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Weltlage. Beide sind sich einig, dass sich die Welt in der gefährlichsten Phase seit dem Ende des Kalten Krieges befindet – faktisch am Beginn eines neuen Weltkriegs.

Die Kernprobleme aus Sicht der Redner:

  1. Verlust der nuklearen Abschreckung: Die im Kalten Krieg mühsam erlernten roten Linien seien vom Westen vergessen worden. Angriffe auf russisches Kerngebiet (Kursk 2024, Angriff auf strategische Nukleartriade 2025) wären während des Kalten Krieges undenkbar gewesen.
  2. Westliche Provokation: Der Westen versuche, Russland als Grossmacht zu zerstören – durch Wirtschaftssanktionen, militärische Unterstützung der Ukraine und zunehmend direkte Angriffe von NATO-Territorium aus.
  3. Notwendigkeit der Wiederherstellung von Abschreckung: Russland müsse dem Westen klarmachen, dass seine roten Linien absolut sind – notfalls durch den begrenzten Einsatz von Atomwaffen.

Teil 2: Bedenken und Hoffnungen der Teilnehmenden

Bedenken

John Mearsheimer:

Sergej Karaganow:

Hoffnungen

John Mearsheimer:

Sergej Karaganow:

Teil 3: Russlands Plan und Motivation

Was Russland konkret plant

  1. Wiederherstellung der nuklearen Abschreckung: Russland will dem Westen klarmachen, dass seine roten Linien absolut sind. Dazu gehört die Veränderung der nuklearen Doktrin und die psychologische wie operative Vorbereitung auf einen begrenzten Atomschlag.
  2. Begrenzte Eskalation (das Karaganow-Szenario):

    - Stufe 1: Konventionelle Angriffe auf militärische oder symbolische Ziele in Europa (z.B. in Polen, Rumänien, besonders Deutschland).

    - Stufe 2: Falls der Westen konventionell reagiert, folgt ein begrenzter Atomschlag.

    - Stufe 3: Demonstration der Entschlossenheit, die den Westen durch die schiere Angst vor weiterer Eskalation zum Einlenken zwingt.
  3. Ziel: Sieg durch Unterwerfung: Karaganow ist überzeugt, dass die USA und Europa nicht mit Atomwaffen vergelten würden, sondern sich unterwerfen – Russland würde "gewinnen". Die einzige Hemmschwelle sei moralischer Natur.

Weshalb Russland dies tut

  1. Strategische Notwendigkeit: Russland sieht seine Existenz bedroht. Es kann nicht länger hinnehmen, dass NATO-Territorium für Angriffe auf russische Städte genutzt wird.
  2. Verlust der Angst: Der Westen habe die "Furcht vor Gott" (den Atomwaffen) verloren und müsse durch die Drohung mit ihrer Anwendung wieder an die "absolute Grenze" des Krieges erinnert werden.
  3. Neue Weltordnung: Der Krieg ist für Russland Teil eines grösseren Umbruchs. Der Westen verliert seine 500-jährige Vorherrschaft; Russland will diesen Prozess beschleunigen, indem es Europa aus der zentralen Rolle verdrängt.

Teil 4: Westliche/Europäische Politik im Spiegel der Kritik

Die Hauptkritikpunkte

Unverständnis und Leichtsinn (Mearsheimer):

Vaterländischer Imperialismus (Karaganow):

Die Wahrnehmungslücke zwischen USA und Europa

Ein wichtiger, subtiler Punkt: Karaganow unterscheidet deutlich zwischen den USA und Europa.

Die Weltordnung im Umbruch

Das Gespräch zeichnet ein Bild des Zerfalls der unipolaren Welt:

Teil 5: Weitere zentrale Themen und Schwerpunkte

1. Die Rolle Deutschlands als zentraler Angstgegner Russlands

Dies ist ein besonders auffälliger und emotional aufgeladener Schwerpunkt.

2. Die Zivilisations- und Moralkritik an Europa

Karaganow erhebt eine grundsätzliche, kulturkritische Anklage:

3. Die strategische Neuausrichtung Russlands nach Osten und Süden

Karaganow formuliert ein klares aussenpolitisches Programm:

4. Die unterschiedlichen Auffassungen von "Gewinnen" im Atomkrieg

Hier gibt es eine interessante Differenz zwischen den beiden Denkern:

5. Das Problem der nuklearen Proliferation als Konsequenz

Mearsheimer bringt ein Argument ein, das Karaganow nicht vollständig entkräften kann:

6. Die Diagnose des "neuen Weltkriegs"

Beide Redner teilen eine spezifische Periodisierung:

7. Persönliche und emotionale Dimension

Das Gespräch ist ungewöhnlich persönlich:

8. Die verpasste Chance des "gemeinsamen europäischen Hauses"

Der Moderator Glenn Diesen bringt am Ende eine persönlich resignative Note ein:

Fazit

Das Gespräch ist mehr als eine strategische Analyse. Es ist ein kulturpessimistisches Manifest (besonders von Karaganow) und ein krisenhafter Dialog zwischen zwei Denkschulen – dem strukturellen Realismus Mearsheimers und dem zivilisatorisch-moralischen Revisionismus Karaganows.

Die zentrale Gefahr, die beide sehen: Durch das Fehlen funktionierender Abschreckung könnte ein konventioneller Konflikt unweigerlich zu einem nuklearen eskalieren – sei es durch Kalkül (um zu "gewinnen") oder durch Kontrollverlust. Die einzige Hoffnung ist aus Sicht der Redner, dass der Westen die roten Linien wieder anerkennt, bevor es zu spät ist.


13.06.2026 Wie wird das Thema der russischen nuklearen Präventivschläge in den Leitmedien behandelt?

Dieses Thema wird in Leitmedien diskutiert, aber vorwiegend im Kontext externer Berichterstattung über Russland, nicht als innerwestliche Debatte.

Während die konkrete Frage eines "Präventivschlags gegen Europa" in den grossen Nachrichtenagenturen und Qualitätsmedien nicht als aktuelle, von offizieller Seite geführte politische Option behandelt wird, wird die zugrundeliegende Debatte und die Person, die sie anstösst, durchaus thematisiert.

Hier ist die detaillierte Aufschlüsselung nach Regionen:

Die weltweite & wissenschaftliche Perspektive (Oxford Academic)

Die umfassendste und tiefgehendste Auseinandersetzung mit dem Thema findet sich derzeit im akademischen Kontext. Eine Studie in der Fachzeitschrift Global Studies Quarterly (Oxford University Press) analysiert die sogenannte "Karaganov-Debatte" als Fallbeispiel dafür, wie Think-Tanks und Einzelpersonen die russische Aussen- und Nukleardoktrin beeinflussen.

Europa & internationale Nachrichtenagenturen

Die europäischen Mainstream-Medien berichten über das Thema auf zwei Ebenen: als Reaktion auf konkrete militärische Aktionen und als wiederkehrende Drohkulisse aus russischen Medien.

  1. Berichterstattung über "Atomares Säbelrasseln" (The Guardian, Euronews, UNI India): Wenn Russlands Präsident Putin oder hochrangige Militärs mit Atomwaffen drohen, berichten Leitmedien wie The Guardian oder Euronews darüber. Diese Berichte entstehen jedoch aus einer Beobachtungsperspektive und sind keine Foren, in denen ein Präventivschlag gegen Europa ernsthaft als Politikoption debattiert wird

    Beispiel: Der Einsatz der nuklear-fähigen "Oreshnik"-Rakete gegen die Ukraine führte zu Schlagzeilen wie "reckless nuclear brinkmanship" (rücksichtsloses nukleares Pokern) und starker Kritik aus Berlin, Paris und Brüssel.
  1. Berichterstattung als Teil der russischen Innenpolitik (BBC): Die BBC beleuchtet die Dynamik innerhalb Russlands. In einem Artikel vom Juni 2024 wird beschrieben, wie Präsident Putin auf einer Wirtschaftsforum-Podiumsdiskussion neben Karaganov als dem "Falken" selbst vergleichsweise gemässigt wirkte, während er gleichzeitig davor warnte, dass Europa "mehr oder weniger wehrlos" sei.
  2. Verbreitung der Drohungen durch russische Staatsmedien (RT): Die konkretesten Aussagen zu Präventivschlägen finden sich in russischen, staatsnahen Medien wie RT DE. Dort erklärt Karaganov offen, dass Russland zu "begrenzten nuklearen Schlägen gegen den Westen" bereit sein müsse, und warnt: "Es wird kein Deutschland mehr geben!". Diese Quellen sind zwar im Westen zugänglich, werden aber von etablierten Journalisten als Teil der russischen Propaganda und Einschüchterungstaktik eingeordnet.

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Situation in Deutschland

In Deutschland lässt sich ein zweigeteiltes Bild erkennen.

Situation in der Schweiz

In der Schweiz wird dieses Thema in Leitmedien diskutiert, aber fast ausschliesslich im Kontext der Aussenwirkung russischer Drohungen – nicht als innerhelvetische politische Debatte über Präventivschläge.

Während die konkrete Frage eines russischen "Präventivschlags gegen Europa" in den grossen Schweizer Nachrichtenmedien nicht als aktuelle, von offizieller Seite geführte politische Option behandelt wird, wird die zugrundeliegende Debatte und die Person, die sie anstösst, durchaus thematisiert – insbesondere im Zusammenhang mit der Schweiz als Verhandlungsort.

Hier ist die detaillierte Aufschlüsselung zur Abdeckung in Schweizer Medien:

Die Schweiz als Verhandlungsort – Karaganovs Drohungen im Fokus

Die umfassendste und direkteste Berichterstattung zum Thema in Bezug auf die Schweiz findet sich nicht in den grossen SRF- oder NZZ-Formaten, sondern in der internationalen Presse, die die Schweiz als Schauplatz erwähnt.

Eine ukrainische Nachrichtenagentur berichtete, dass der kremlnahe Politologe Sergej Karaganov am 16. Februar 2026 – einen Tag vor den dreiseitigen Friedensgesprächen zwischen der Ukraine, den USA und Russland in Genf – eine Kolumne mit Aufrufen zu nuklearen Schlägen gegen Europa veröffentlichte. Das Timing der Veröffentlichung sei "kein Zufall" gewesen.

Schweizer Sicherheitsdebatte: Fokus auf konventionelle Bedrohung, nicht auf Präventivschläge

In der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) wird das Szenario eines russischen Angriffs auf die Schweiz diskutiert – allerdings fast ausschliesslich im konventionellen Kontext. Militärredaktor Georg Häsler warnte vor einem möglichen "mechanisierten Stoss der russischen Armee Richtung Westen" durch einen "Tirol-Korridor", falls Ungarn und die Slowakei die Nato verlassen sollten.

Diese Einschätzung steht jedoch im Widerspruch zu anderen Expertenmeinungen, die in der NZZ zitiert werden:

Keine Debatte über russische Präventivschläge in SRF und Hauptmedien

Eine direkte Berichterstattung über Karaganovs Forderungen in den grössten Schweizer Medienhäusern (SRF, Tages-Anzeiger, Blick oder NZZ als solche) ist in den vorliegenden Suchergebnissen nicht nachweisbar. Stattdessen dominieren andere Russland-bezogene Themen:

Einordnung: Warum die Schweizer Berichterstattung begrenzt ist

Die Fachwebsite Klar Focus analysiert, dass Karaganovs nukleare Drohungen vor den Genfer Gesprächen "keine private Meinungsäusserung eines exzentrischen Experten, sondern ein von Teilen der russischen aussenpolitischen Elite sanktioniertes Signal" seien. Dennoch:

Zusammenfassung der wichtigsten Quellen mit Schweizer Bezug

Ukrainische Nachrichtenagentur NV (zitiert Schweizer Kontext): Karaganov veröffentlichte am 16. Februar 2026 – vor den Genfer Friedensgesprächen – einen Aufruf zu nuklearen Schlägen gegen Europa, mit detaillierten Eskalationsszenarien.

Klar Focus (deutsche Fachwebsite): Analysiert die Instrumentalisierung der Atomdrohungen als Verhandlungswaffe Moskaus vor den Schweiz-Gesprächen; bezeichnet das Timing als "kein Zufall".

NZZ (Schweiz): Diskutiert russische Angriffsszenarien auf die Schweiz ausschliesslich im konventionellen militärischen Rahmen – Panzer über Ungarn/Slowakei, Raketenangriffe auf Strominfrastruktur – ohne Bezug zu Karaganovs Präventivschlags-Forderungen.

Infosperber (Schweizer Analyseportal): Hinterfragt die konventionelle Bedrohungserzählung und zitiert zahlreiche Experten, die einen russischen Panzerangriff auf die Schweiz für extrem unwahrscheinlich halten.

Fazit für die Schweiz

Das Thema der russischen Präventivnuklearschläge gegen Europa ist in den Schweizer Leitmedien präsent, aber randständig und indirekt. Es wird fast ausschliesslich als Aussenphänomen behandelt:

Eine breite, eigenständige Diskussion darüber, ob diese Drohungen ernst zu nehmen sind oder wie die Schweiz sich darauf vorbereiten sollte, findet in den grossen Schweizer Medien nicht statt. Die sicherheitspolitische Debatte in der Schweiz konzentriert sich vielmehr auf konventionelle Bedrohungsszenarien, hybride Kriegsführung und die nukleare Abhängigkeit der Schweizer AKWs von Russland – nicht auf die Frage eines russischen Präventivschlags gegen Europa.

Gesamtfazit

Die Forderung nach russischen Präventivnuklearschlägen gegen Europa ist kein Randphänomen, sondern ein von der Wissenschaft als realer und einflussreicher Diskurs innerhalb Russlands identifiziertes Thema. Im Westen wird dieses Thema jedoch nicht als gleichberechtigte Politikoption debattiert, sondern fast ausschliesslich als gefährliche Drohung und Form des "nuklearen Pokers" wahrgenommen, über die man berichtet, die man aber ablehnt.

Die öffentliche Wahrnehmung in Deutschland und Europa wird weniger durch eine Debatte über die Inhalte dieser Forderung geprägt, sondern vielmehr durch die Reaktionen auf konkrete militärische Aktionen (wie den Oreshnik-Raketeneinsatz) und durch Berichte über die aggressive Rhetorik aus russischen Staatsmedien.


22.06.2026 Drohnen-Eskalation: Russland wird die NATO angreifen | Stas Krapivnik

Der Ukraine-Stellvertreterkrieg ist kein Stellvertreterkrieg mehr. Die anhaltenden Drohnenangriffe auf Russland verändern alles. Gewöhnliche russische Bürger fordern eine entschlossenere Antwort, und der Druck auf W. Putin wächst, den Krieg auf NATO-Gebiet auszuweiten, nachdem die NATO diesen auf Russland ausgeweitet hatte.

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Zusammenfassung des Interviews zwischen Pascal Lottaz und Stanislav Krapivnik

Hier ist eine ausführliche und prägnante Zusammenfassung des Interviews in Schweizer Rechtschreibung:

1. Russlands Stimmung und die europäische Fehlwahrnehmung

Lottaz berichtet, dass sein Rückflug aus Moskau wegen erneuter Drohnenangriffe verschoben werden musste. Krapivnik berichtet, die Angriffe häuften sich. Die Stimmung in Russland sei wütend. Er kritisiert die europäische Erzählung, wonach Putin einfach so den Krieg begonnen habe – dies ignoriere völlig, dass es sich für Russland um eine existenzielle Krise handle, da die NATO nukleare Raketen an die russischen Grenzen bringe. Blinken habe vor Kriegsbeginn klargemacht, dass die USA stationieren könnten, was sie wollen. Europa sei längst ein aktiver militärischer Teilnehmer in einem Stellvertreterkrieg, auch wenn man das nicht eingestehen wolle. Russland stehe vor der Wahl zwischen einem konventionellen Krieg mit Europa oder einem nuklearen Krieg.

2. Drohnenproduktion und Eskalation

Die Drohnen, welche die Ukraine einsetze, würden nicht dort produziert, sondern in Europa auf Hochtouren hergestellt und in der Ukraine nur zusammengebaut. Ein Zwischenfall mit einem von einem Geschoss getroffenen Filmarchiv habe dies bewiesen, als unter den Trümmern Drohnenflügel auftauchten. Die Europäer hätten auf Vollgas geschaltet, um Russland zu brechen – in der Annahme, es handle sich um einen einfachen Eroberungskrieg. Die Angriffswellen würden grösser und könnten irgendwann jedes Luftabwehrsystem überwältigen. Verhandlungen seien sinnlos; die Regierung habe nun den Sieg auf dem Schlachtfeld als Ziel erklärt. Die Erkenntnis setze sich durch, dass der Westen die Ukraine unabhängig vom Ausgang als Terrorbasis weiternutzen werde.

3. Frontlage und militärische Entwicklungen

Russland mache an der Front Fortschritte: Konstantinowka sei gefallen, Kramatorsk und Slawjansk würden von zwei Seiten eingekreist. Russische Truppen stünden nur noch etwa 6 km vor diesen Städten. Orichiw sei taktisch umzingelt und abgeschnitten. Russische Truppen seien nur noch etwa 5 km von Sumy entfernt. Die Eroberung von Donezk und Saporischschja reiche nicht aus, da der Westen die Ukraine weiterhin als Terrorbasis nutzen werde.

4. Terrorvorwürfe gegen die Ukraine und den Westen

Die Ukraine habe sich zu einer vollständig terroristischen Organisation entwickelt, gesteuert von CIA, MI6 und Mossad. Krapivnik zählt zahlreiche Angriffe auf zivile Ziele auf: ein Wohnheim in Starobelsk mit 16 Drohnen, 21 getötete Kinder; gezielte Angriffe auf Wohnhäuser, Busse mit verbrannten Passagieren; Angriffe auf Kinder auf Fahrrädern und einen belarussischen Bus mit einer Kinder-Fussballmannschaft. Das Kriegsdenkmal in Sewastopol sei ohne militärischen Nutzen zerstört worden – nur um Russland zu provozieren. Der Westen übernehme keine Verantwortung, sondern schiebe die Schuld auf KI, technische Fehler oder Befehlsnotstand – eine Taktik, die an die Ausreden bei den Nürnberger Prozessen erinnere.

5. Versuch, einen NATO-Russland-Krieg zu provozieren

Die Ukraine versuche systematisch, einen direkten NATO-Russland-Krieg zu provozieren. Krapivnik nennt Beispiele: ukrainische Angriffe auf Raffinerien in Ungarn, der Slowakei und Rumänien, die Versenkung eines türkischen Patrouillenboots und Angriffe auf griechische Tanker. Besonders gefährlich sei ein Angriff auf Konstanza in Rumänien gewesen, bei dem Drohnen auf ein Öllager und eine Düngemittelfabrik zielten – was eine halbe Stadt hätte auslöschen können. Die NATO reagiere nicht, weil sie bereit sei, ihre eigenen Leute zu opfern. Russland werde entweder den konventionellen Krieg gewinnen oder es komme zum nuklearen Krieg – einen anderen Ausweg gebe es nicht.

6. Europas Realitätsverlust und Massenpsychose

Krapivnik kritisiert die europäische Bevölkerung und Politik scharf: Man habe die Fähigkeit verloren, realistisch über Krieg nachzudenken. Selbst in einer Schweizer Sendung sei bei der Debatte um Waffenlieferungen nie die mögliche russische Reaktion thematisiert worden. Dies zeige eine tiefe Massenpsychose. Diese könne nur enden, wenn die verantwortliche Regierung zusammenbreche oder die radikale Generation aussterbe – so wie es nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland geschehen sei. Wer offensichtliche Wahrheiten ausspreche, werde vom norwegischen Verteidigungsminister als direkte Bedrohung bezeichnet.

7. Zusammenbruch internationaler Normen

Der Westen habe den gefährlichen Präzedenzfall geschaffen, dass man Staatsoberhäupter anderer Länder töten könne. Dies zerstöre die ungeschriebene Regel des gegenseitigen Schutzes der Führungsspitzen. Die Genfer Konventionen würden nicht aus Menschlichkeit eingehalten, sondern weil beide Seiten davon profitierten; wenn diese Logik zerfalle, gebe es keine Regeln mehr. Krapivnik bestätigt, dass in Russland nun ebenfalls über Enthauptungsschläge nach westlichem Vorbild diskutiert werde.

8. Iran, USA und das Memorandum der Heuchelei

Das Memorandum zwischen Iran und den USA sei keine echte Wende, sondern nur Theater. Die USA seien fast ohne Reserven, und Trump habe das Abkommen vor allem wegen der bevorstehenden Wahlen und der Benzinpreise unterschrieben – die unter 4 Dollar gefallen seien. Die Iraner seien sich bewusst, dass die Amerikaner nur Zeit gewinnen wollten, um sich neu zu positionieren. Der russische Geheimdienst habe Teheran entsprechend gewarnt. Die Golfstaaten hätten zwar zweimal Nein zu weiteren Angriffen auf den Iran gesagt, seien aber letztlich rückgratlos und doppelzüngig. Die amerikanischen Generäle glaubten tatsächlich, sie hätten gegen den Iran gewonnen – dies zeige, dass sie in einer völlig anderen Realität lebten. Nichts habe sich grundlegend geändert; es seien dieselben Akteure wie zuvor.

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Kommentar: Behauptungen aus dem Interview und deren Faktencheck

Behauptung von Krapivnik Kommentar / Faktencheck
Ukrainische Angriffe auf Raffinerien in Ungarn, der Slowakei und Rumänien. Teilweise unbelegt. Die verfügbaren Quellen berichten von ukrainischen Angriffen auf die russische Öl-Infrastruktur, insbesondere auf Pumpstationen der Druschba-Pipeline in Russland. Diese Angriffe führten zu Unterbrechungen der Öllieferungen nach Ungarn und in die Slowakei. Ein ukrainischer Angriff auf eine Raffinerie auf dem Territorium eines dieser Länder wird in den Suchergebnissen jedoch nicht bestätigt.
Die Drohnen in Konstanza zielten auf ein Nitratlager, dessen Explosion "die halbe Stadt hätte auslöschen können". Spekulation. Eine rumänische Journalistin hat diese Theorie aufgestellt. Die Explosion der Drohnen ereignete sich tatsächlich in der Nähe eines Lagerns mit 900 Tonnen Ammoniumnitrat. Es handelt sich jedoch um eine Hypothese, nicht um einen bestätigten Fakt.
Die NATO sei bereit, "ihre eigenen Leute zu opfern", um einen Krieg mit Russland zu provozieren. Interpretation. Dies ist eine starke politische Aussage, die nicht durch eine Quelle belegt ist. Der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Grynkewich, erklärte, dass Russland keinen Konflikt mit der NATO suche und die Allianz dies ebenfalls nicht anstrebe. Diese Aussage widerspricht der Behauptung.
Die Ukraine verfolge systematisch das Ziel, einen direkten NATO-Russland-Krieg zu provozieren. Interpretation. Diese Aussage ist eine Zuschreibung von Absichten. Selbst wenn einzelne Aktionen als riskant oder provokativ eingestuft werden können, gibt es keine Belege für eine übergeordnete, systematische Strategie der ukrainischen Führung, einen Krieg zwischen der NATO und Russland herbeizuführen.

Weitere kommentierte Aussagen

  1. Angriff auf den griechischen Tanker: Die Aussage, ukrainische Streitkräfte hätten einen griechischen Tanker angegriffen, wird durch die verfügbaren Quellen gestützt. Der griechische Tanker Maran Homer wurde im Schwarzen Meer vor dem russischen Hafen Noworossijsk von einem Flugkörper getroffen (AP News; The Kyiv Independent). Der griechische Schifffahrtsminister nannte die Ukraine nicht direkt als Verantwortliche, wies aber auf wiederholte Angriffe Kiews im Schwarzen Meer hin. Die Ukraine hat sich zu dem Vorfall nicht geäussert (The Kyiv Independent).
  2. Angriff auf die Druschba-Pipeline: Krapivniks Darstellung, dass ukrainische Angriffe auf die Druschba-Pipeline zu einer Unterbrechung der Öllieferungen geführt hätten, wird durch Berichte bestätigt. Die Ukraine hat nach eigenen Angaben wiederholt Pumpstationen in Russland beschossen, was zu Lieferstopps führte. Diese Angriffe zielten auf russische Anlagen im Hinterland.

01.07.2026 Demodernisierung erleichtert die Instrumentalisierung von Vorurteilen

Übersetzung des Artikels von Yakov M. Rabkin bei Pascals Substack

Yakov M. Rabkin, emeritierter Professor für Geschichte an der Université de Montréal, analysiert, wie die Entmodernisierung Vorurteile schürt und zur Normalisierung der Russophobie beiträgt.

Von Yakov M. Rabkin

Die Bewahrung religiöser und ethnischer Vielfalt ist ein wichtiger Aspekt der Moderne, der derzeit bedroht ist. Ethnischer Nationalismus, Stammesdenken, Militanz im Namen der Religion sowie wirtschaftliche, soziale und andere Formen der Ausgrenzung gewinnen an Legitimität in Regionen, in denen einst relativ stabile multikulturelle und multiethnische Gesellschaften existierten. Dies sind Anzeichen von Demodernisierung – mit anderen Worten: ein Rückschritt im Hinblick auf die Moderne.

Demodernisierung muss nicht allumfassend sein. Estland und Israel beispielsweise weisen technologische Modernität neben politischer Demodernisierung auf.

Entmodernisierung in Wort und Tat

Wissen ist ein wesentlicher Bestandteil der Moderne. Es kann Ideologien schaffen oder zerstören und Klassenherrschaft festigen oder untergraben. Heute wird das Recht auf Information in Bezug auf zahlreiche aussenpolitische Fragen ausgehöhlt. Demodernisierung impliziert zwangsläufig die Verleugnung von Wissen und eine Infragestellung rationalen Denkens. Die Umbenennung von Strassen, die Entfernung von Denkmälern und das Verbot von Sprachen sind integraler Bestandteil der Demodernisierung, der Versuche, die Geschichte zu leugnen. Sprache wird ritualisiert und dient eher dazu, Zauber zu wirken, als zu informieren.

Die Verwendung des Ausdrucks „unprovozierter, umfassender Krieg“ in den westlichen Mainstream-Medien zur Beschreibung des russischen Vorgehens in der Ukraine ist ein bezeichnendes Beispiel. Etablierte Geopolitikexperten, die die Osterweiterung der NATO als Auslöser des Krieges sehen, werden umgehend an den Rand gedrängt. Ihre Analyse der – wie Abélard es vor fast einem Jahrtausend formulierte – „verborgenen Ursachen“ der westlichen Russlandpolitik wird als „Kremlpropaganda“ abgetan. Wie alle gesellschaftspolitischen Prozesse resultiert die Unterdrückung rationaler Debatten aus konzertierten Bemühungen politischer Akteure. Diskreditierung, Sanktionen und sogar die Polizei werden mobilisiert, um angesehene Experten zum Schweigen zu bringen oder zu marginalisieren und damit die wissenschaftliche Expertise zu Russland zu untergraben.

Der US-israelische Angriff auf den Iran, der zweifellos als „unprovoziert“ bezeichnet werden kann, wird in den etablierten Medien, die sich zu Instrumenten der Propaganda und der Verschleierung entwickelt haben, bisher nicht so genannt. In Deutschland ist das Verständnis des Gegners zu einem Schimpfwort geworden: „ Putinversteher “. Eine rationale Debatte über alternative Ansätze im Umgang mit Russland wurde durch parteiische, selbstgerechte und eigennützige Rhetorik verdrängt. Ebenso ersticken fadenscheinige Antisemitismusvorwürfe die öffentliche Diskussion über Israels Umgang mit den Palästinensern.

Appelle an die Emotionen verdrängen rationale Argumente. Die leidenschaftliche Sprache, die von ansonsten eher glanzlosen Beamten des US-Aussenministeriums und der EU verwendet wird, deutet darauf hin, dass die Demodernisierung bis tief in die Machtzentren vorgedrungen ist. Die Artikulation geopolitischer Interessen wandelt sich in Behauptungen moralischer Überlegenheit.

Es war Ronald Reagan, der im März 1983 den Ausdruck „Reich des Bösen“ prägte. Diese Formulierung mag vor seiner Rede vor der National Association of Evangelicals angemessen gewesen sein. Knapp zwei Jahrzehnte später, im Januar 2002, tauchte die „Achse des Bösen“ in einem scheinbar rationaleren Kontext auf – in George W. Bushs Rede zur Lage der Nation. Sie bezeichnete Länder und Bewegungen, die sich der US-Hegemonie widersetzten. Die emotionale Brisanz bereitete den Boden für den Einmarsch einer von den USA geführten Koalition in den Irak im Jahr 2003. Auch der gemeinsame Angriff der USA und Israels auf den Iran wurde jüngst als moralische Pflicht zur „Befreiung des iranischen Volkes“ gerechtfertigt.

Es gibt rationale Argumente für beide Kriege, die jedoch in höflicher Gesellschaft selten geäussert werden. Sie sind Teil des Plans „Sauberer Schnitt: Sicherung des Reiches“, der 1996 für den designierten Premierminister Benjamin Netanjahu ausgearbeitet wurde. Westliche Angriffe auf Irak, Jemen, Libyen und Iran haben diesen Plan Realität werden lassen. Israels Beteiligung an der Entfesselung dieser Kriege ist mittlerweile ein offenes Geheimnis.

Behauptungen moralischer Überlegenheit berufen sich auf Demokratie, individuelle Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, um die angebliche Überlegenheit liberaler Demokratien gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Diese Ansprüche ersetzen die bis dahin weit verbreiteten Behauptungen religiöser und rassischer Überlegenheit, die koloniale Eroberungen beständig stützten. Ein halbes Jahrtausend lang legitimierte dies Ausbeutung, Gewalt und Völkermord. Begriffe wie „ Mission civilisatrice “, „Die Bürde des weissen Mannes“, „Unterstützung der Demokratie“, „Regimewechsel“ oder „Schutzverantwortung“ bezeichnen im Wesentlichen ähnliche Interventionen des „weissen Mannes“ in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Paradoxerweise rechtfertigten die Nazis, obwohl sie für ihre häufigen Appelle an die Gefühle bekannt waren, ihren Einmarsch in die Sowjetunion mit rationalen Argumenten: einer Ostexpansion ( Drang nach Osten ) auf der Suche nach Lebensraum . Darüber hinaus nutzten sie wissenschaftliche Konzepte ihrer Zeit, um eine völkermörderische Rassenhierarchie zu etablieren.

Demodernisierung bedeutet eine dauerhafte Verschlechterung der materiellen, gesundheitlichen und kulturellen Bedingungen in einer ehemals modernisierten Gesellschaft – eine Rückkehr zu „vormodernen“ Lebensformen und kollektiven Identitäten. Dies provoziert Proteste, Aufstände und Revolten. In Russland wurden im ersten Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Panzer und später Wahlmanipulationen eingesetzt, um diese zu unterdrücken. Auch die Krise in der Ukraine lässt sich aus der Perspektive der Demodernisierung betrachten. Eine riesige Region, einst führend in der sowjetischen Industrieentwicklung, erlebte bereits lange vor 2014 eine Demodernisierung, als äussere Kräfte die Proteste der Bevölkerung in einen gewaltsamen Sturz der Regierung umwandelten.

Alternativ können Wahlergebnisse einfach annulliert (Rumänien), manipuliert (Moldau) oder gefälscht (Armenien) werden, angeblich unter dem Vorwand der „Kreml-Einmischung“. In anderen Ländern verliefen Volksbewegungen wie die Indignados in Spanien oder die Gelbwesten in Frankreich im Sande, ohne Folgen. Dies spiegelt die Transformation der Bürger von politischen Akteuren zu entpolitisierten Konsumenten wider, was die Deutungshoheit über die öffentliche Meinung erleichtert.

Die Entmodernisierung fördert den Essentialismus – also die Zuschreibung bestimmter unveränderlicher Eigenschaften und Werte an die eigene oder andere Gruppe. Dies ermöglicht es Israelis zu glauben, Gott habe ihnen aussergewöhnliche Rechte an dem Land zwischen Jordan und Mittelmeer verliehen und ihre Armee sei „die moralischste der Welt“. Nach der essentialistischen Logik der meisten Israelis verstehen die Araber nur Gewalt, was Israels unaufhörliche Gewalt in der Region rechtfertigt. Die gegenwärtigen europäischen Machthaber scheinen dasselbe über die Russen anzunehmen.

Vorurteile und seine Folgen

Die Normalisierung von Vorurteilen ist eine weitere Erscheinungsform der Demodernisierung. Sie beruht auf Wissensmangel. Positive Informationen über Russland und die Russen sind in westlichen Medien seit fast zwei Jahrzehnten verschwunden. Dies nährt die Russophobie, die Russland und die Russen als von Natur aus böse darstellt.

Die Russophobie hat zwar eine lange Geschichte, doch ihre gegenwärtige Wiederbelebung stand im Mittelpunkt einer Konferenz, die im Juni 2026 in der mittelalterlichen russischen Stadt Pskow stattfand. Sie war Teil des Forums „Auf diesem Fundament stehen wir“. Der Titel paraphrasiert das Finale von Eisensteins Filmklassiker „Alexander Newski “: „Geht und verkündet fremden Ländern, dass Russland lebt. Sie können es ohne Furcht besuchen. Doch wer mit dem Schwert zu uns kommt, wird durch das Schwert umkommen. Darauf stand und steht das Land Russland.“ Der 1938 produzierte Film schildert die Niederlage der Ritter des Deutschen Ordens bei Pskow im Jahr 1242 und war eine kaum verhüllte Warnung an die Nazis und ihre europäischen Verbündeten, die diese leider ignorierten und im Juni 1941 die Sowjetunion angriffen. Pskow war über drei Jahre lang von deutschen, estnischen, lettischen und spanischen Truppen besetzt. Als die sowjetische Armee die Stadt im Juli 1944 befreite, fand sie dort nur noch 168 der ursprünglichen Einwohner vor, von den 68.000 vor dem Krieg.

Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern kamen zusammen, um Russophobie und die damit verbundenen Reaktionen zu untersuchen. Dazu gehörte eine Studie zu russophoben Phänomenen innerhalb der russischen Intelligenzija. Ein weiterer Beitrag befasste sich mit der ethnonationalistischen Demodernisierung mehrerer ehemaliger Sowjetrepubliken, in deren Zuge „die Russen“ – ein Überbleibsel der sowjetischen multiethnischen Bevölkerung und nicht die ethnischen Russen im eigentlichen Sinne – als Fremde dargestellt wurden. Im benachbarten Estland werden sie oft als „Besatzer“ bezeichnet. Anstatt einen inklusiven zivilen Nationalismus zu fördern, schüren die baltischen Behörden Fragen der ethnischen Zugehörigkeit, was die Russophobie tendenziell verstärkt. Sie resultiert auch aus der Positionierung der baltischen Republiken als NATO-Frontstaaten an Russlands Grenzen.

Russophobie ist ein westliches Phänomen. Eine 2024 weltweit durchgeführte Umfrage stellte die Frage: „Wie ist Ihre allgemeine Wahrnehmung Russlands?“ Die Ergebnisse zeigten die Sonderstellung des politischen Westens. Während die meisten europäischen Länder und Länder mit europäischer Bevölkerung eine negative Haltung gegenüber Russland aufweisen, dominiert im Globalen Süden – von Ägypten und Nigeria bis China und Indien – eine positive Einstellung.

Die Konferenz thematisierte auch Reaktionen auf Russophobie. Mehrere Redner zeigten auf, dass Russophobie antiwestliche Haltungen schüren und in der Folge zu Isolationismus und kultureller Entmodernisierung führen kann. Die Konferenz verdeutlichte die Bandbreite der in Russland diskutierten Ansichten angesichts der seit 2014 und insbesondere seit 2022 gegen das Land verhängten westlichen Sanktionen.

Die Idee, Europa von Russland und China abzuspalten, ist im Rahmen der geopolitischen Theorien von Sir Halford Mackinder durchaus rational. Um sie jedoch zu propagieren, bedienten sich die westlichen Mächte emotionaler Argumente, Informationskontrolle und der Bestrafung abweichender Meinungen. Dies führte dazu, dass die Europäer an ihre eigene, selbstgerechte Erzählung glaubten. Verbote des Kulturaustauschs mit Russland, Boykotte von Opernsängern, das Verbot von Dostojewski-Konferenzen oder Konzerten mit Werken von Rachmaninow wurden zur Normalität. Die EU kappte die Zug- und Flugverbindungen nach Russland, obwohl diese trotz der politischen Spannungen unter Stalin und während des gesamten Kalten Krieges funktionierten. Die Notwendigkeit, für einen 40-minütigen Flug von Sankt Petersburg nach Helsinki über Istanbul zu fliegen, ist ein deutliches Zeichen der Demodernisierung.

Russophobie kann, wie jede Form von Rassismus, ins Absurde abgleiten. Ein 2014 in der Schweiz abgehaltener Friedensgipfel für die Ukraine schloss Russland, einen der Kriegsparteien, aus. Die Organisatoren hielten eine Einladung Russlands für undenkbar und für einen Schritt hin zu „moralischer Gleichstellung“.

Russophobie als Ausdruck von Entmodernisierung geht einher mit der Rehabilitierung des Kolonialismus, die auf Ausgrenzung und Entmenschlichung des Anderen beruht. Vor einigen Jahren rief ein französischer Präsident seine Landsleute dazu auf, stolz auf die Errungenschaften Frankreichs in seinen ehemaligen Kolonien zu sein. Und auf der Sicherheitskonferenz 2026 in München lobte US-Aussenminister Rubio die europäische Kolonisierung Amerikas als „heiliges Erbe“. Er forderte die Europäer zudem auf, „unverblümt zu ihrem Erbe zu stehen und stolz auf dieses gemeinsame Erbe zu sein“. Auch Josep Borrells Vergleich Europas mit einem Garten im Dschungel, damals Präsident der Europäischen Kommission, folgt diesem Trend.

Der verstorbene britische Oberrabbiner Jonathan Sacks bemerkte einst: „Gerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit schliessen sich gegenseitig aus.“ Russophobie, verpackt in Behauptungen moralischer Überlegenheit, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs. Dasselbe gilt für die aufkeimende Bewegung in Russland, die alles Westliche ablehnt. Beides sind Ausdrucksformen der Entmodernisierung. Beides stellt eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit dar.


01.07.2026 Über Russophobie

Übersetzung des Artikels von Pascal Lottaz

Betrachtungen über den europäischen Rassismus, der im Zentrum der Kriegsbesessenheit des Kontinents mit Russland steht.

Letzte Woche besuchte ich eine Konferenz zum Thema Russophobie, wie hier beschrieben. Im Folgenden schildere ich meine Gedanken zu einem Thema, mit dem ich zwar durch die Schriften von Glenn Diesen und Guy Mettan nur vage vertraut war, das ich aber selbst nie eingehend untersucht hatte.

Dialektischer Rassismus

Die wichtigste Erkenntnis, die ich aus der einwöchigen Diskussion in Pskow mitgenommen habe, war, dass Russophobie in erster Linie ein politisches Phänomen ist, eine Form von Rassismus, die bewusst geschürt wird und bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit Antisemitismus aufweist (wie Jakow Rabkin betonte). Sie erzeugt ein hohles, aber dialektisches Stereotyp einer Gruppe, die ausgegrenzt werden muss.

Im Falle der Russophobie ist das imaginierte Bild des „Russen“ einerseits schwach und lächerlich: faul, trunksüchtig, stinkend, dumm und mitschuldig an seiner (und oft auch ihrer) eigenen Versklavung durch den despotischen Staat, gegen den die Russen zu dumm sind, um sich zu erheben. Man könnte diesen Teil des rassistischen Stereotyps als „dummes Russland“ bezeichnen.

Andererseits beschreibt dasselbe Stereotyp Russen auch als bedrohlich, brutal, hinterhältig, tierähnlich (wie Bären) und von zutiefst unmoralischer Natur. Nennen wir dieses Bild das „wilde Russland“. Alexander Mercouris hat auf der erwähnten Konferenz eine hervorragende Liste westlicher Romane, Theaterstücke und Filme der letzten 250 Jahre zusammengestellt, in denen diese Karikatur immer wieder auftaucht.

Auf politischer Ebene dienen der Schwachsinnige und der Wilde als zwei Seiten einer Scheinargumentation, an der sich westliche Gesellschaften gerne festklammern. Der vermeintlich schwachsinnige Wilde lässt sich leicht verspotten und gleichzeitig hassen. Das Lachen über die Dummheit Russlands beseitigt die Angst davor, und der Hass auf seine wahnsinnige Brutalität und seinen Verrat erzeugt den Willen – manchmal sogar das psychologische Bedürfnis –, seine totale Vernichtung anzustreben. Das ist es, was Kommentare wie die von Kaja Kallas motiviert, Russland in kleinere Nationen aufzuteilen, um es endlich loszuwerden – wie die Spinne oder Kakerlake im Schlafzimmer, von der man wissen muss, dass sie weg oder tot ist, bevor man endlich schlafen kann.

Kriegsrassismus

Im Rückblick auf die letzten vier Kriegsjahre bildete das Bild des einfältigen Wilden einen durchgängigen Erzählton in dem, was Richard Sakwa den politischen Westen nennt. Insbesondere Europas Streben nach Remilitarisierung wäre ohne dieses Bild nicht möglich gewesen.

Die vermeintliche Lächerlichkeit und Schwäche Russlands bilden den Kern der Behauptungen, es sei so arm und dumm, dass seine Armee mit Schaufeln kämpfen oder seine Panzer mit Spülmaschinenchips antreiben müsse. Gleichzeitig wird uns unzählige Male eingeredet, dieselben Russen seien so brutal und unberechenbar, dass sie aus ihrer bösartigen Natur heraus Europa angreifen und sich bis nach Portugal durchschlagen könnten, wenn sie nicht in der Ukraine gestoppt würden.

Einerseits stellt der einfältige Wilde eine Bedrohung für die gesamte Menschheit dar, da er brutal und despotisch ist. Andererseits ist er aber auch dumm und unwürdig. Daraus folgt logischerweise, dass nur Gewalt den Wilden aufhalten kann. Doch zum Glück wird es ein Leichtes sein, da der Wilde auch noch dumm ist. Fürchtet euch also nicht, Europa, denn ihr müsst euch nur bewaffnen, und ihr werdet siegen. Der einfältige Wilde ist gefährlich, aber besiegbar. Deshalb müssen wir kämpfen.

Sobald man den Blick für den einfältigen Wilden schärft, erkennt man ihn im Zentrum so vieler westlicher Kriegserzählungen. Es ist wirklich faszinierend.

Versöhnung der Dummheit

So deprimierend diese Erkenntnis auch ist, sie bietet mir zumindest einen gewissen intellektuellen Abschluss, da sie mir ein wenig verständlicher macht, warum so viele Menschen den widersprüchlichen Geschichten glauben, die uns in den Massenmedien über den Stellvertreterkrieg in der Ukraine erzählt werden. Die Propaganda über das vermeintliche Wesen des dummen Wilden ist so viel älter als der Krieg und so tief verwurzelt, dass jeder, der sich dessen nicht bewusst ist, direkt in diese Falle tappt. Westliche Menschen verknüpfen aktuelle Ereignisse einfach mit rassistischen Stereotypen – und voilà, schon hat man ein funktionierendes und tief verwurzeltes Narrativ über „den Anderen“, das in der Gesellschaft bis zum Überdruss wiederholt werden kann und wird, da es das bestätigt, was ohnehin als allgemein bekannt gilt.

Das gibt mir endlich auch einen Hinweis darauf, warum die Eskalation der Kriegstreiberei gegen Russland im globalen Süden nicht funktioniert hat. Zwar kritisierten Indien, China und viele andere Länder Russlands Invasion in der Ukraine 2022, doch vermieden sie eine regelrechte antirussische Hetze. Stattdessen betrachteten sie die Situation objektiv und versuchten, Russlands Beweggründe zu verstehen – etwas, das nur gelingt, wenn man nicht von einem hohlen Stereotyp verblendet ist. Viele im globalen Süden scheinen zudem intuitiv den rassistischen Charakter der westlichen Russlanddarstellung zu begreifen, da sie selbst unter solchen kolonialen Mechanismen Europas gelitten haben.

Selbst mein geliebtes Japan hat sich dem Militarismus gegen Russland nicht in dem Masse angeschlossen wie Europa. Zwar rüstet Tokio auf, doch geschieht dies hauptsächlich im Namen der Verteidigung gegen China und Nordkorea (ein weiteres ungelöstes Problem der Vergangenheit, das wir ein anderes Mal besprechen werden). Japan hat nie Waffen in die Ukraine geliefert, geschweige denn koordinierte Angriffe auf das russische Festland durchgeführt, wie es die NATO derzeit tut. Obwohl in Tokio eine gewisse Besorgnis hinsichtlich der Zukunft der russisch-japanischen Beziehungen herrscht, kann ich mit Sicherheit sagen, dass es kaum Russophobie westlichen Stils gibt. Akademische Einrichtungen beschäftigen weiterhin russische Forscher, Orchester können weiterhin spielen, und die russische Kultur wird nach wie vor geschätzt. Die politische Feindseligkeit richtet sich zwar gegen die russische Regierung, aber eher aus geopolitischer Notwendigkeit – als Teil des US-amerikanischen Netzwerks – und nicht aus Hass.

Unkonfrontiert

Insgesamt halte ich Alexander Mercouris' Analyse für die treffendste: Russophobie „funktioniert“, weil die rassistische Natur dieses Stereotyps von den euroamerikanischen Konquistadoren, die ähnliche Gräueltaten an anderen Völkern verübten, nie hinterfragt wurde. Im Westen (Amerika) sowie in Australien und Neuseeland gelang es ihnen, durch Völkermord in die kolonisierten Länder einzudringen. Auch im Osten und Süden verübten sie grausame Feldzüge (Kongo, Algerien, Palästina, Vietnam, um nur einige zu nennen), stiessen aber schliesslich auf Hindernisse, die sie stoppten. Manche der zugrunde liegenden rassistischen Vorurteile – gegen Schwarze, Juden und Asiaten – wurden notgedrungen bekämpft, andere blieben jedoch weitgehend ungelöst. Russophobie ist eines davon.

Solange die Euroamerikaner nicht anfangen, als „Wertegemeinschaft“ – wie sie sich selbst gerne nennen – eine tiefgreifende Selbstreflexion zu betreiben, werden wir das nicht überwinden, und der einfältige Wilde wird das Schlimmste in Menschen anregen, die über Jahrhunderte hinweg bewiesen haben, zu welcher Art von Grausamkeit sie selbst fähig sind.

Gott, erbarme dich und schenke uns etwas Selbstreflexion. Bitte. Wir brauchen sie jetzt wirklich.


01.07.2026 Professor Jeffrey Sachs über die Geopolitik des Friedens – Zusammenfassung

des Vortrags im EU-Parlament (21.02.2025)

Einleitung und Dank
Der Redner begrüsst die zahlreichen Teilnehmer und stellt Professor Jeffrey Sachs sowie dessen Ehefrau Sonia vor. Sachs sei Wirtschaftsberater von drei UN-Generalsekretären, Gründer des Earth Institute und Direktor des Zentrums für nachhaltige Entwicklung. Persönlich hebt er Sachs' herausragende internationale Vernetzung und langjährige Unabhängigkeit hervor – er habe sich nie einer politischen Partei angeschlossen, was seiner Glaubwürdigkeit zugutekomme. Heute sei Sachs wohl die weltweit bedeutendste Stimme für Frieden, Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung. Die aktuelle Lage mit dem Ukraine-Krieg, bei dem Europa nicht am Verhandlungstisch sitze, obwohl der Krieg auf europäischem Boden stattfinde, sei höchst problematisch.

Sachs' Einleitung: Persönlicher Hintergrund
Sachs bedankt sich und betont die gefährliche, sich rasch verändernde Weltlage. Er verfüge über 36 Jahre direkte Erfahrung in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion – als Berater der polnischen Regierung (1989), von Gorbatschow, Jelzin, der Ukraine und beim Aufbau der estnischen Währung. Er kenne die US-amerikanische Führung persönlich, sei kein Ideologe, sondern gebe seine eigenen Beobachtungen wieder.

US-Aussenpolitik seit 1991: Unipolare Weltordnung
Seit dem Ende der Sowjetunion habe die USA die Auffassung vertreten, die Welt allein zu beherrschen. Die USA ignorierten rote Linien, Sicherheitsinteressen und internationale Verpflichtungen. Sachs' Versuch, 1991 finanzielle Hilfe für Gorbatschows Reformen zu erhalten, sei im Nationalen Sicherheitsrat abgelehnt und verspottet worden. Die USA verfolgten konsequent eine Politik der NATO-Osterweiterung, die bereits 1994 von Präsident Clinton beschlossen worden sei – entgegen den Zusicherungen von 1991, wonach die NATO keinen Inch nach Osten rücken werde (dokumentiert im National Security Archive). Diese Politik sei ein langfristiges, parteiübergreifendes US-Projekt gewesen.

NATO-Osterweiterung als Kriegsursache
Die NATO habe sich 1999 (Ungarn, Polen, Tschechien), 2004 (Baltische Staaten, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Slowakei) und 2008 (Ukraine und Georgien) nach Osten ausgedehnt. Russland habe wiederholt protestiert, insbesondere Putin 2007 in München. Die USA hätten 2008 die Aufnahme der Ukraine und Georgiens gegen europäischen Widerstand durchgesetzt. Der Krieg sei nicht das Ergebnis eines russischen Expansionsdrangs, sondern einer jahrzehntelangen US-Strategie, Russland einzukreisen – mit dem Ziel, den Zugang zum Schwarzen Meer zu kontrollieren und Russland zu regionaler Bedeutungslosigkeit zu degradieren.

Der Ukraine-Krieg im Detail
2010 sei Viktor Janukowitsch mit einem Neutralitätsversprechen gewählt worden; Russland habe damals keinerlei territoriale Ansprüche gehabt. Die USA hätten ihn jedoch durch einen Regimewechsel (Maidan 2014) gestürzt, wie ein abgehörter Telefonanruf von Victoria Nuland beweise. Das Minsk-II-Abkommen, von Russland akzeptiert und vom UN-Sicherheitsrat gebilligt, sei von der Ukraine und den USA nicht umgesetzt worden. Sachs habe Jake Sullivan (Biden-Berater) im Dezember 2021 gebeten, öffentlich zu erklären, die NATO werde nicht in die Ukraine expandieren – Sullivan habe das abgelehnt, obwohl er privat versicherte, es werde keine Erweiterung geben. Die US-Strategie sei es gewesen, Russland zu provozieren, zu destabilisieren und wirtschaftlich zu schwächen.

Verpasste Friedenschancen
Unmittelbar nach Kriegsbeginn sei Selenskyj bereit gewesen, über Neutralität zu verhandeln. Bereits nach wenigen Wochen habe ein von der Türkei vermittelter Abkommensentwurf vorgelegen, den Putin gebilligt habe. Die Ukraine sei jedoch auf Druck der USA und Grossbritanniens (Boris Johnson) von diesem nahezu fertigen Friedensabkommen zurückgetreten. Sachs und andere hätten bereits im Frühling 2022 vor den katastrophalen Folgen eines langen Krieges gewarnt. Seither hätten etwa eine Million Ukrainer ihr Leben verloren oder seien schwer verletzt worden – die USA hätten dies als "gute Investition" bezeichnet, da keine Amerikaner stürben.

Die Rolle von Trump und die Zukunft des Krieges
Trump wolle keinen Verlierer unterstützen; deshalb sei das Kriegsende nun absehbar. Die aktuellen Verhandlungen seien die beste Nachricht für die Ukraine und für Europa. Sachs rät Europa, selbst mit Russland zu verhandeln, statt blind US-Politik zu folgen. Die Europäische Union sei 450 Millionen Menschen stark und habe eine 20-Billionen-Wirtschaft – sie solle eine eigenständige Aussen- und Sicherheitspolitik entwickeln.

Europa braucht eine eigene Aussenpolitik
Europa müsse seine Sicherheit in die eigenen Hände nehmen und dürfe sich nicht mit der NATO verwechseln. Sachs empfiehlt den Austritt aus der NATO und den Aufbau einer europäischen Sicherheitsarchitektur mit 2–3 % des BIP für Verteidigung – jedoch mit europäischer Technologie und nicht als Abnehmer von US-Waffen. Die derzeitige Russophobie diene nicht der Sicherheit, sondern habe zu einer Million Opfern in der Ukraine geführt. Europa solle mit Russland über Sicherheitsgarantien, nukleare Abrüstung und wirtschaftliche Zusammenarbeit verhandeln. Die Neutralität (wie in Finnland und Österreich) sei ein Erfolgsmodell, das es zu verteidigen gelte.

Nahostpolitik und China
Die US-Aussenpolitik sei seit 30 Jahren vollständig der israelischen Lobby unterworfen. Der einzige Weg zu Frieden im Nahen Osten sei die Zwei-Staaten-Lösung gemäss internationalem Recht – die USA blockierten dies jedoch mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat. China sei kein Feind, sondern ein wirtschaftlicher Erfolg; die USA sähen China nur deshalb als Gegner, weil es grösser sei als die USA. Ein Krieg mit China sei vermeidbar, wenn man nüchtern und diplomatisch verhandle.

Schlussplädoyer: Frieden ist möglich
Sachs sieht grosse Zukunftschancen: Technologischer Fortschritt, erneuerbare Energien und Bildung könnten die Welt transformieren. Konflikte seien fast immer auf strategische Fehler zurückzuführen, nicht auf unüberwindbare Gegensätze. Europa solle sich als eigenständige Friedensmacht begreifen und mit allen Nachbarn – Russland, Nahost, Asien – konstruktiv zusammenarbeiten. Der Weg zu Frieden und Wohlstand führe über Diplomatie, nicht über Kriegshetze.

***

Was sagt Jeffrey Sachs zur Stimme, Haltung und Politik der EU?

1. Die EU hat keine eigene Stimme – sie ist ein sprachloses Anhängsel der USA
Die Europäische Union habe auf der Weltbühne keine eigenständige Stimme. Sie habe keine eigene Aussenpolitik, keine Einheit, keine Klarheit und keine europäischen Interessen – nur "Amerika-Treue". Europa rede nicht mit eigener Stimme, sondern wiederhole nur die US-Position. Es habe sich vollständig der US-Politik untergeordnet und sei damit zum willenlosen Anhängsel geworden.

2. Die EU hat ihre Aussenpolitik an die NATO abgegeben – ein fataler Fehler
Europa verwechsle sich selbst mit der NATO, obwohl dies zwei völlig verschiedene Dinge seien. Die NATO sei kein europäisches, sondern ein US-geführtes Militärbündnis. Indem die EU ihre Sicherheit und Aussenpolitik der NATO überlasse, gebe sie ihre Souveränität an die USA ab. Sachs fordert: "Europa ist nicht NATO" – diese Verwechslung sei tödlich für europäische Interessen.

3. Die EU hat keine Diplomatie – nur Kriegsrhetorik
Die EU betreibe keine echte Diplomatie mehr. Ihre Vertreter seien keine Diplomaten, sondern "Kriegssekretäre", die nur von Aufrüstung und Eskalation sprächen. Ein Diplomat müsse mit der anderen Seite reden, zuhören, verhandeln – das tue die EU nicht. Statt nach Moskau zu reisen und mit Russland zu verhandeln, schweige sie oder wiederhole nur US-Propaganda.

4. Die EU hat keine eigenen Interessen definiert
Die EU habe nie klar definiert, was ihre eigenen Sicherheitsinteressen sind. Stattdessen habe sie blind die US-Interessen übernommen – mit verheerenden Folgen für die Ukraine (eine Million Opfer) und für Europa selbst. Die EU sei "das einzige Gremium, das nicht am Verhandlungstisch sitzt, obwohl der Krieg auf europäischem Boden stattfindet".

5. Die EU könnte eine führende Weltmacht sein – tut es aber nicht
Die EU habe alle Voraussetzungen für eine starke Rolle: 450 Millionen Menschen, 20 Billionen Wirtschaftsleistung, höchste Lebensqualität, starke soziale und ökologische Werte. Sie sei in Sachen Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Sozialstaat weltweit führend. Wenn sie diese Stärken nutze und eine eigene, realistische Aussenpolitik entwickle, könne sie Frieden schaffen und die Weltpolitik massgeblich beeinflussen. Stattdessen schweige sie.

6. Die EU braucht eine eigene Sicherheitsarchitektur
Europa müsse seine Sicherheit in die eigenen Hände nehmen. Sachs empfiehlt den Aufbau einer europäischen Sicherheitsarchitektur mit 2–3 % des BIP für Verteidigung – jedoch mit europäischer Technologie und nicht als Abnehmer von US-Waffen. Er ist "der grösste Fan der OSZE" und sieht in ihr den richtigen Rahmen für europäische Sicherheit.

7. Die EU soll direkt mit Russland verhandeln – nicht über die USA
Die EU solle direkte Gespräche mit Russland führen, statt zu betteln, an den US-Verhandlungstisch zu dürfen. Europa werde "für die nächsten tausend Jahre" mit Russland zusammenleben müssen – also solle es jetzt eine konstruktive Beziehung aufbauen. Sachs fordert: "Geht nach Moskau, nicht nach Kiew. Redet mit euren russischen Partnern."

8. Die EU hat ihre Chance auf Frieden 2022 vertan
Die EU sei Garantin des Minsk-II-Abkommens gewesen und habe zugelassen, dass es von der Ukraine und den USA nicht umgesetzt wurde. 2022, als ein Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland fast fertig war, habe die EU nichts getan, um es zu retten – sie habe einfach zugesehen, wie die USA und Grossbritannien die Ukraine zum Abbruch drängten.

9. Die EU braucht eine Verfassung für eine gemeinsame Aussenpolitik
Eine europäische Aussenpolitik könne nicht per Einstimmigkeit der 27 Mitgliedstaaten funktionieren. Es brauche eine europäische Verfassung, die eine gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik ermögliche. Aussenpolitik sei keine nationale Angelegenheit, sondern eine europäische – genau wie Sicherheit.

10. Die EU soll ihre Werte leben – nicht nur verkünden
Europa stehe für Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Multilateralismus, Menschenrechte und Lebensqualität. Diese Werte müsse es auch in seiner Aussenpolitik vertreten – statt sie von den USA mit Füssen treten zu lassen. Sachs: "Die Welt sähe besser aus, wenn sie mehr wie Europa wäre" – aber Europa müsse diese Vision auch umsetzen.

Fazit von Sachs zur EU
"Europa hat keine Aussenpolitik. Es hat keine Stimme. Es hat keine Einheit. Es hat nur Amerika-Treue. Das muss sich ändern – jetzt, wo der Krieg zu Ende geht. Europa muss endlich erwachsen werden und eine eigene, realistische, friedensorientierte Rolle auf der Weltbühne übernehmen."

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Die 6 wichtigsten Aussagen von Jeffrey Sachs

1. Die USA sind die treibende Kraft des Ukraine-Krieges
Die NATO-Osterweiterung sei kein Zufall, sondern ein jahrzehntelanges US-Projekt (seit 1994), das Russland gezielt einkreisen und schwächen sollte – unter Missachtung gegebener Zusagen und internationaler Sicherheitsinteressen.

2. Ein Frieden in der Ukraine war bereits möglich
Unmittelbar nach Kriegsbeginn habe es einen von Russland gebilligten Verhandlungsentwurf (Neutralität der Ukraine) gegeben. Die USA und Grossbritannien hätten die Ukraine jedoch aktiv zum Abbruch der Gespräche gedrängt – mit verheerenden Folgen (ca. eine Million ukrainische Opfer).

3. Der Krieg endet jetzt, weil Trump keinen Verlierer will
Die aktuellen Friedensverhandlungen seien die beste Nachricht für Europa. Trump werde das militärische Desaster nicht weiter mittragen – Europa solle diese Chance nutzen, statt weiter auf Eskalation zu setzen.

4. Europa braucht eine eigene, unabhängige Aussen- und Sicherheitspolitik
Die EU dürfe sich nicht länger der US-Politik unterordnen. Sie solle die NATO hinterfragen, direkt mit Russland verhandeln und eine europäische Sicherheitsarchitektur aufbauen – mit eigener Technologie und ohne russophobe Kriegsrhetorik.

5. Russland nicht reizen – Provokationen vermeiden, statt Eskalation betreiben
Sachs fordert, Russland nicht durch militärische Einkreisung, Waffensysteme an der Grenze oder diskriminierende Politik (z. B. Sprachverbote für Russisch in baltischen Staaten) zu provozieren. Wer den Nachbarn demütige, herausfordere und in die Enge treibe, müsse mit Gegenreaktionen rechnen – das sei keine Schwäche, sondern geopolitische Realität. Frieden entstehe nicht durch Konfrontation, sondern durch gegenseitigen Respekt und Diplomatie.

6. Frieden ist möglich – Konflikte sind meist strategische Fehler
Es gebe keine unüberwindbaren Gegensätze zwischen Europa, Russland oder China. Mit Diplomatie, Neutralität (wie Finnland oder Österreich) und Zusammenarbeit liessen sich Wohlstand und Sicherheit für alle schaffen – Kriege seien fast immer vermeidbare Fehlentscheidungen.


07.07.2026 „Die NATO steht vor einer vernichtenden Niederlage“ – Mearsheimers beunruhigende Prognose zur Ukraine | NATO-Gipfel

*** John Mearsheimer hielt diese Rede im November 2025 ***

Wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Ankara spricht einer der einflussreichsten geopolitischen Denker Amerikas eine eindringliche Warnung hinsichtlich der Zukunft Europas aus. Steht die NATO vor ihrer grössten strategischen Krise seit dem Kalten Krieg?

Was Sie wissen müssen

Während sich die NATO-Staats- und Regierungschefs auf ihr Treffen in Ankara vorbereiten, beleuchtet diese Analyse eine der umstrittensten geopolitischen Reden, die im Vorfeld des Gipfels gehalten wurden. In seiner Rede vor dem Europäischen Parlament präsentiert Professor John Mearsheimer seine realistische Einschätzung des Ukraine-Kriegs, der NATO-Strategie, der europäischen Sicherheitsarchitektur, der US-Aussenpolitik, der Ziele Russlands und der sich abzeichnenden multipolaren Weltordnung.

Unabhängig davon, ob man seinen Schlussfolgerungen zustimmt oder nicht, sind seine Argumente zu einem zentralen Thema in den Debatten rund um die NATO, die Ukraine, Russland, die europäische Verteidigung und die Zukunft der transatlantischen Sicherheit geworden.

Sehen Sie sich die vollständige Analyse an und bilden Sie sich selbst eine Meinung.

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Einleitung und Dank

Vielen Dank, Tom, für diese freundliche Einführung. Es ist mir eine grosse Freude und Ehre, heute hier im Europäischen Parlament zu sprechen. Ich möchte den Patrioten für Europa für die Einladung danken und allen danken, die gekommen sind, um mir zuzuhören.

Die europäische Krise

Europa befindet sich heute in grossen Schwierigkeiten, hauptsächlich wegen des Ukraine-Krieges, der eine Schlüsselrolle dabei gespielt hat, eine weitgehend friedliche Region zu untergraben. Leider wird sich die Situation in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht verbessern. Tatsächlich wird Europa in Zukunft wahrscheinlich weniger stabil sein als heute.

Die gegenwärtige Situation in Europa steht in markantem Gegensatz zur beispiellosen Stabilität, die Europa während des unipolaren Moments genoss – von 1992, dem Jahr nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, bis etwa 2017, als China und Russland als Grossmächte hervortraten und die Unipolarität in Multipolarität verwandelten.

Wir erinnern uns alle an Francis Fukuyamas berühmten Aufsatz "Das Ende der Geschichte" von 1989, der argumentierte, dass die liberale Demokratie dazu bestimmt sei, sich über die ganze Welt auszubreiten und Frieden und Wohlstand mit sich zu bringen. Dieses Argument war offensichtlich völlig falsch, aber viele im Westen glaubten über zwanzig Jahre daran. Nur wenige Europäer stellten sich in der Blütezeit der Unipolarität vor, dass Europa heute in so grossen Schwierigkeiten stecken würde.

Die Frage: Was ist schiefgelaufen?

Der Ukraine-Krieg, der meiner Ansicht nach vom Westen und insbesondere den Vereinigten Staaten provoziert wurde, ist die Hauptursache für die heutige europäische Unsicherheit. Es gibt jedoch einen zweiten Faktor: die Verschiebung des globalen Machtgleichgewichts 2017 von der Unipolarität zur Multipolarität, die zwangsläufig die Sicherheitsarchitektur in Europa bedrohen musste.

Dennoch gibt es guten Grund zu der Annahme, dass diese Verschiebung der Machtverteilung beherrschbar war. Aber der Ukraine-Krieg in Verbindung mit dem Aufkommen der Multipolarität garantierte grosse Probleme, die in absehbarer Zukunft nicht verschwinden werden.

Die Grundlagen der europäischen Stabilität

Der Schlüssel zur Wahrung der Stabilität in Europa während des Kalten Krieges und der unipolaren Ära war die US-amerikanische Militärpräsenz in Europa, die natürlich in der NATO verankert war. Die USA haben dieses Bündnis von Anfang an dominiert, was es für die Mitgliedstaaten unter dem amerikanischen Sicherheitsschirm fast unmöglich gemacht hat, miteinander zu kämpfen. Die USA waren faktisch eine mächtige pazifizierende Kraft in Europa.

Die heutigen europäischen Eliten erkennen diese einfache Tatsache, was erklärt, warum sie zutiefst daran interessiert sind, amerikanische Truppen in Europa zu halten und eine von den USA dominierte NATO aufrechtzuerhalten.

Bemerkenswert ist, dass Moskau, als der Kalte Krieg endete und die Sowjetunion ihre Truppen aus Osteuropa abzog und den Warschauer Pakt auflöste, keine Einwände gegen eine intakte, von den USA dominierte NATO hatte. Wie die Westeuropäer damals verstanden und schätzten die sowjetischen Führer die pazifizierende Logik. Sie waren jedoch entschieden gegen die NATO-Erweiterung.

Die Rolle der EU vs. NATO

Manche mögen argumentieren, dass die EU und nicht die NATO die Hauptursache für die europäische Stabilität während des unipolaren Moments war, weshalb die EU 2012 den Friedensnobelpreis erhielt. Aber das ist falsch. Obwohl die EU eine bemerkenswert erfolgreiche Institution ist, ist ihr Erfolg davon abhängig, dass die NATO den Frieden in Europa bewahrt.

Die NATO ist die Basis oder das Fundament, während die EU der Überbau ist. Ohne den amerikanischen "Schnuller" verschwindet nicht nur die NATO, wie wir sie kennen, sondern auch die EU wird in ernster Weise untergraben.

Die Auswirkungen der Multipolarität

Während der Unipolarität (1992–2017) waren die USA mit Abstand der mächtigste Staat im internationalen System und konnten problemlos eine beträchtliche militärische Präsenz in Europa aufrechterhalten. Die unipolare Welt verschwand jedoch mit dem Aufkommen der Multipolarität. Die USA sind nicht mehr die einzige Grossmacht der Welt; China und Russland sind heute Grossmächte, was bedeutet, dass amerikanische Entscheidungsträger anders über die Welt um sie herum denken müssen.

Die USA sind immer noch das mächtigste Land der Welt, aber China holt auf und wird heute weithin als ebenbürtiger Wettbewerber betrachtet. Seine riesige Bevölkerung, gepaart mit seinem wirklich bemerkenswerten Wirtschaftswachstum seit den frühen 1990er Jahren, hat es zu einem potenziellen Hegemon in Ostasien gemacht – für die USA, die bereits ein regionaler Hegemon auf der westlichen Hemisphäre sind.

Russland ist die schwächste der drei Grossmächte. Entgegen der Meinung vieler Europäer ist es keine Bedrohung, die gesamte Ukraine oder gar Osteuropa zu überrennen. Schliesslich hat es die letzten dreieinhalb Jahre nur damit verbracht, den östlichen Teil der Ukraine zu erobern. Die russische Armee ist nicht die Wehrmacht, und Russland ist nicht die Sowjetunion während des Kalten Krieges oder China in Ostasien heute. Russland ist kein potenzieller Hegemon in Europa.

Amerikas strategische Neuausrichtung

Angesichts dieser Machtverteilung gibt es für die USA einen strategischen Imperativ, sich auf die Eindämmung Chinas und die Verhinderung seiner Dominanz in Ostasien zu konzentrieren. Es gibt jedoch keinen zwingenden strategischen Grund für die USA, eine bedeutende militärische Präsenz in Europa aufrechtzuerhalten, da Russland keine Bedrohung darstellt, ein europäischer Hegemon zu werden. Die Verwendung von Verteidigungsressourcen für Europa reduziert die für Ostasien verfügbaren Ressourcen.

Diese grundlegende Logik erklärt die amerikanische "Pivot to Asia". Wenn sich ein Land einer Region zuwendet, wendet es sich von einer anderen Region ab – und diese andere Region ist Europa.

Die besondere Beziehung zu Israel

Die USA haben eine besondere Beziehung zu Israel, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Diese Verbindung, die Ergebnis der enormen Macht der Israel-Lobby in den USA ist, bedeutet nicht nur, dass die USA Israel bedingungslos unterstützen werden, sondern auch, dass amerikanische Streitkräfte direkt oder indirekt in Israels Kriege verwickelt sein werden.

Die USA werden weiterhin erhebliche militärische Ressourcen für Israel bereitstellen und eigene Truppen in den Nahen Osten entsenden. Diese Verpflichtung schafft einen zusätzlichen Anreiz, die US-Streitkräfte in Europa zu reduzieren und die europäischen Länder zu drängen, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen.

Die NATO-Erweiterung als Ursache des Krieges

Um die Folgen des Ukraine-Krieges vollständig zu verstehen, ist es wichtig, seine Ursachen zu betrachten. Die herkömmliche Meinung im Westen ist, dass Wladimir Putin für den Ukraine-Krieg verantwortlich ist. Sein Ziel sei es, die gesamte Ukraine zu erobern und sie zu einem Teil eines Grossrusslands zu machen.

Es gibt jedoch zahlreiche Probleme mit dieser Darstellung:

Erstens gibt es keine Beweise von vor dem 24. Februar 2022, dass Putin die gesamte Ukraine erobern und in Russland eingliedern wollte. Putin hat nie gesagt, dass die Eroberung der Ukraine ein erstrebenswertes Ziel sei. In seinem berühmten Artikel vom 12. Juli 2021 schrieb er: "Sie wollen einen eigenen Staat gründen – bitte sehr." Und: "Wie die Ukraine aussehen wird, müssen ihre Bürger entscheiden."

Zweitens hatte Putin bei weitem nicht genug Truppen, um die Ukraine zu erobern. Russland marschierte mit höchstens 190'000 Soldaten ein. Eine Streitmacht von 100'000 oder 190'000 Mann kann die gesamte Ukraine nicht erobern, besetzen und eingliedern. Als die Wehrmacht am 1. September 1939 in den westlichen Teil Polens einmarschierte, schickte sie 1,5 Millionen Soldaten. Die Ukraine ist geographisch mehr als dreimal so gross und hatte fast doppelt so viele Einwohner.

Drittens begann Russland unmittelbar nach Kriegsbeginn, nicht die Ukraine, mit Verhandlungen – nur vier Tage nach der Invasion. Die Verhandlungen endeten, als die Ukrainer auf Drängen Grossbritanniens und der USA von den gut voranschreitenden Gesprächen zurücktraten.

Viertens versuchte Putin in den Monaten vor Kriegsbeginn eine diplomatische Lösung zu finden. Am 17. Dezember 2021 sandte er Briefe an Präsident Biden und NATO-Generalsekretär Stoltenberg mit drei Forderungen: Die Ukraine solle nicht der NATO beitreten, keine offensiven Waffen in der Nähe der russischen Grenzen stationiert werden, und NATO-Truppen und -Ausrüstung, die seit 1997 nach Osteuropa verlegt wurden, sollten nach Westeuropa zurückverlegt werden.

Fünftens gibt es keinen Beweis, dass Putin die Eroberung anderer osteuropäischer Länder plante. Die russische Armee ist nicht einmal gross genug, um die gesamte Ukraine zu überrennen, geschweige denn die baltischen Staaten, Polen und Rumänien.

Die drei Säulen der Westpolitik

Die NATO-Erweiterung ist nicht das ganze Problem, sondern Teil einer umfassenderen Strategie, die darauf abzielt, die Ukraine zu einem westlichen Bollwerk an Russlands Grenze zu machen. Die drei Säulen dieser Politik sind:

  1. NATO-Erweiterung in die Ukraine
  2. EU-Erweiterung in die Ukraine
  3. Regimewechsel zur Schaffung einer pro-westlichen liberalen Demokratie in der Ukraine

Russische Führer fürchten alle drei Säulen, aber die NATO-Erweiterung am meisten. Wie Putin sagte: "Russland kann sich nicht sicher fühlen, sich entwickeln und existieren, wenn es einer ständigen Bedrohung vom Territorium der heutigen Ukraine ausgesetzt ist."

Die Beweise für die NATO-Erweiterung als Hauptursache

Russische Führer sagten vor dem Krieg wiederholt, dass sie die NATO-Erweiterung in die Ukraine als existenzielle Bedrohung betrachteten. Aussenminister Lawrow sagte am 14. Januar 2022: "Der Schlüssel zu allem ist die Garantie, dass sich die NATO nicht nach Osten ausdehnen wird."

William Burns, später CIA-Direktor, aber 2008 US-Botschafter in Moskau, schrieb ein bemerkenswertes Memorandum an Aussenministerin Rice: "Der Beitritt der Ukraine zur NATO ist die hellste aller roten Linien für die russische Elite, nicht nur für Putin." NATO würde "als strategische Herausforderung" gesehen werden.

Sowohl Bundeskanzlerin Merkel als auch Präsident Sarkozy lehnten die NATO-Erweiterung in die Ukraine entschieden ab. Merkel sagte: "Ich war mir sehr sicher, dass Putin das nicht einfach so hinnehmen wird. Aus seiner Perspektive wäre das eine Kriegserklärung."

Der Verlauf des Krieges

Nach dem Scheitern der Istanbuler Verhandlungen im April 2022 wurde der Konflikt zu einem Abnutzungskrieg mit Ähnlichkeiten zur Westfront des Ersten Weltkriegs. Russland hat seitdem vier ukrainische Oblaste annektiert und kontrolliert etwa 22% des ukrainischen Territoriums – alles im östlichen Teil des Landes.

Russland gewinnt diesen Krieg eindeutig. In einem Abnutzungskrieg siegt die Seite mit mehr Soldaten und mehr Feuerkraft. Russland hat auf beiden Dimensionen einen signifikanten Vorteil. General Syrskyi sagt, Russland habe dreimal mehr Truppen im Einsatz und an manchen Frontabschnitten seien die Ukrainer 6:1 unterlegen. Russland hat auch einen Vorteil bei Artillerie (3:1 bis 10:1) und bei Gleitbomben.

Die Ukraine hat keine tragfähige Lösung für ihr Personalproblem – sie hat eine viel kleinere Bevölkerung und leidet unter Wehrdienstverweigerung und Desertion. Im Oktober 2024 desertierten 20'000 ukrainische Soldaten.

Die Aussichten auf einen Friedensschluss

Eine diplomatische Beilegung des Krieges ist nicht möglich, weil die gegnerischen Seiten unvereinbare Differenzen haben. Russland besteht auf ukrainischer Neutralität, der Anerkennung der Annexionen und der Begrenzung der ukrainischen Streitkräfte. Die Ukraine und der Westen lehnen diese Forderungen kategorisch ab.

Der Krieg wird auf dem Schlachtfeld entschieden. Russland wird einen hässlichen Sieg erringen und zwischen 20% und 40% der Vorkriegs-Ukraine besetzen. Die Ukraine wird als dysfunktionaler Rumpfstaat zurückbleiben. Moskau wird nicht versuchen, die gesamte Ukraine zu erobern, weil die westlichen 60% mit ethnischen Ukrainern gefüllt sind, die sich heftig widersetzen würden.

Die Folgen des Krieges

Für die Ukraine: Die Ukraine ist effektiv zerstört – sie hat bereits einen beträchtlichen Teil ihres Territoriums verloren, die Wirtschaft liegt in Trümmern, und sie hat etwa eine Million Opfer erlitten.

Für die Beziehungen zwischen Europa und Russland: Sie werden auf absehbare Zeit giftig sein. Die Möglichkeit eines Krieges wird allgegenwärtig sein. Es gibt sechs weitere Konfliktpunkte: die Arktis, die Ostsee, Kaliningrad, Belarus, Moldawien/Transnistrien und das Schwarze Meer.

Für Europa: Eine russische Niederlage der NATO wäre eine vernichtende Niederlage. Das Bündnis wird geschwächt werden, was auch negative Auswirkungen auf die EU haben wird. Die Wirtschaft wurde durch den Rückgang der Gas- und Ölflüsse hart getroffen.

Für die transatlantischen Beziehungen: Es wird zu gegenseitigen Schuldzuweisungen kommen. Trump wird den Europäern vorwerfen, nicht genug getan zu haben, während europäische Führer Trump vorwerfen werden, die Ukraine im Stich gelassen zu haben. Die USA werden ihre militärische Präsenz in Europa wahrscheinlich reduzieren oder ganz abziehen.

Schlussfolgerung

Der Ukraine-Krieg ist eine Katastrophe, die noch jahrelang nachwirken wird. Die Verantwortung dafür tragen in erster Linie die USA und ihre europäischen Verbündeten. Die Entscheidung vom April 2008, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, war die Hauptantriebskraft hinter dem Krieg.

Der Krieg hätte vermieden werden können, wenn der Westen nicht beschlossen hätte, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, oder wenn er von diesem Vorhaben abgerückt wäre, als der russische Widerstand klar wurde. Dann wäre die Ukraine heute innerhalb ihrer Vorkriegsgrenzen intakt, die Krim wäre noch Teil der Ukraine, und Europa wäre ein wohlhabenderer und stabilerer Ort.

Aber dieses Schiff ist abgefahren, und Europa muss nun mit den katastrophalen Ergebnissen einer Reihe vermeidbarer Fehler umgehen.

Vielen Dank.

***

Kommentar:

1. Mearsheimers These gegenüber der westlichen Propaganda

These des Textes Offizielle westliche Propaganda
Der Krieg wurde vom Westen provoziert. Der Krieg ist Russlands imperialistischer Angriffskrieg.
NATO-Erweiterung ist die Hauptursache. Putins Revisionismus und Imperialismus sind die Hauptursache.
Russland ist keine existenzielle Bedrohung für Europa. Russland ist die grösste militärische Bedrohung für Europa.
Die USA werden sich aus Europa zurückziehen (struktureller Zwang). Die USA bleiben aufgrund von NATO-Verpflichtungen in Europa.
Die Ukraine hat den Krieg praktisch verloren. Die Ukraine kann mit westlicher Unterstützung noch gewinnen.
Ein Friedensabkommen ist unmöglich; der Krieg wird eingefroren. Ein Frieden ist möglich, wenn Putin zur Vernunft kommt.

2. Aussage Merkels und Sarkozys am NATO-Gipfel 2008 in Bukarest

Merkels Aussage macht sie in ihren Memoiren von 2024. Während des NATO-Gipfels 2008 erklärte sie und Sarkozy:

"NATO welcomes Ukraine’s and Georgia’s Euro-Atlantic aspirations for membership in NATO. We agreed today that these countries will become members of NATO."

Merkel und Sarkozy stimmten also der politischen Perspektive einer Mitgliedschaft zu, verweigerten aber den formellen Fahrplan (MAP) . Die korrekte Formulierung lautet daher:

"Sowohl Bundeskanzlerin Merkel als auch Präsident Sarkozy lehnten die sofortige Verleihung des Membership Action Plan (MAP) an die Ukraine entschieden ab, stimmten aber der prinzipiellen Beitrittsperspektive zu."

Es mag sein, dass Merkel und Sarkozy diese Äusserung bzw. dieses Vorgehen vorgeschlagen haben, um nicht auf Putins rote Linie hinweisen zu müssen.


12.07.2026 Lawrow: Russland glaubt den Beteuerungen des derzeitigen westlichen Institutionen nicht mehr, an einer diplomatischen Lösung für die Ukraine interessiert zu sein

- In eigener Sache -

Mehrere Nachrichtenagenturen und Medien berichten übereinstimmend über diese Erklärung Lawrows am 9. Juli 2026. Press TV, Times of India, Komsomolskaya Prawda

Lawrows Kernaussagen

Zusätzlicher Kontext

Die Ankündigung Lawrows fiel in eine Phase erhöhter Spannungen. Sie erfolgte unmittelbar nach dem NATO-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli 2026, auf dem das Bündnis Russland als "langfristige Bedrohung" einstufte und der Ukraine umfangreiche Militärhilfen in Höhe von 140 Milliarden Euro zusagte. Auch das Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj am Rande dieses Gipfels, bei dem unter anderem die Lieferung von Patriot-Raketen besprochen wurde, trug zu diesem Kontext bei.

Ablehnung der gegenwärtigen westlichen Akteure

Lawrow schliesst Verhandlungen mit den derzeitigen westlichen Institutionen aus.

Gleichzeitig betont er die prinzipielle Offenheit für Dialog, allerdings mit klaren Bedingungen:

"Ja, wir halten die Tür für Dialog und mögliche Abkommen offen – aber erstens auf einer strikt gleichberechtigten und gegenseitig vorteilhaften Basis. Und zweitens: Die Tür steht denen offen, die bereit sind, ihre Eigenheiten beiseitezulegen und klar zu sagen, was sie vorschlagen."

die zunehmende militärische Unterstützung der Ukraine durch den Westen, gepaart mit Überlegungen in Russland zu einer weiteren Eskalation – spiegelt einen gefährlichen Trend im Sommer 2026 wider. Die vorhandenen Informationen deuten darauf hin, dass sich beide Seiten in einer Spirale aus Aufrüstung und gegenseitiger Abschreckung befinden, die das Risiko einer direkten Konfrontation erhöht.

Die Eskalation aus westlicher und ukrainischer Sicht

Die Ukraine greift Ziele tief in Russland an und der Westen fährt die Produktion von Rüstungsgütern hoch:

Russlands Reaktion und nukleares Säbelrasseln

Russland hat auf diese Entwicklungen mit einer Mischung aus militärischen Demonstrationen und öffentlichen Debatten über Eskalation reagiert, was Ihre Frage nach taktisch-nuklearen Überlegungen aufgreift.

Die deutsche und europäische Perspektive

Die Analyse renommierter Institute wie der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) zeigt, dass diese Eskalation in Europa mit grosser Sorge beobachtet wird. Die jüngsten Nuklearübungen Russlands werden als Weckruf verstanden, in die konventionelle Abschreckung zu investieren, um Russlands Fähigkeit zu mindern, mit nuklearen Drohungen militärische Schwächen auszugleichen.

Zusammenfassend bestätigen die aktuellen Quellen Ihre Beobachtung einer sich zuspitzenden Lage. Der Westen reagiert auf russische Angriffe mit massiver Unterstützung für die Ukraine, was wiederum in Russland zu Überlegungen führt, die Konfrontation über die ukrainischen Grenzen hinaus auszuweiten. Die Debatte über taktisch-nukleare Optionen ist ein Teil dieser gefährlichen Dynamik.

Eskalationen

Die vorliegenden Informationen deuten darauf hin, dass die Drohungen und die Aufrüstung von EU und NATO sich in einem gefährlichen Übergang befinden: Sie sind formal noch eng mit der Ukraine verbunden, aber sie zielen zunehmend auf eine grundsätzliche, direkte Konfrontation mit Russland ab, die weit über den Konflikt in der Ukraine hinausgeht.

Hier eine Aufschlüsselung der beiden Perspektiven:

Die Ukraine als zentraler Bezugspunkt

Die militärische und politische Unterstützung für die Ukraine bleibt der offizielle und unmittelbare Anlass für die Aufrüstung:

Die Ablösung vom Ukraine-Konflikt

Gleichzeitig gibt es starke Indizien, dass die Ukraine zunehmend zum Vorwand für eine langfristige, strategische Neuausrichtung des Westens gegenüber Russland wird:

Zusammenfassung

Die Politik von EU und NATO befindet sich an einem Scheideweg. Offiziell und vordergründig ist alles mit der Ukraine verbunden, um die Bevölkerung und die eigenen Reihen zu überzeugen und einen sofortigen, unkontrollierten Krieg zu vermeiden.

Strategisch und langfristig hat sich der Westen jedoch von der Ukraine gelöst. Der Konflikt dient nun als Katalysator und Rechtfertigung für eine massive, grundlegende Aufrüstung und eine Konfrontation mit Russland, die unabhängig vom Ausgang des Krieges in der Ukraine stattfinden wird. Diese neue Qualität wird in einigen Analysen bereits als "NATO 3.0" bezeichnetwoz..

Quellen

Anadolu Ajansı

BBC

Belarussische Nachrichten

China.org.cn

Der Freitag, zweiter Artikel

Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Deutschlandfunk

La Repubblica

Irish Independent

Komsomolskaja Prawda

Ministry of Defence of Ukraine

OSN Media

Press TV

Radio Moldova

Radio România

Russia Today

Tass, zweiter Artikel, dritter Artikel, vierter Artikel, fünfter Artikel

The Jerusalem Post

The New York Times

Times of India

Ukrainska Prawda

Ukrinform

Vietnam.vn, zweiter Artikel, dritter Artikel, vierter Artikel, fünfter Artikel

WOZ

Yemen News Agency


19.07.2026 Lagebeurteilung des Ukrainekriegs durch Prof. John Mearsheimer

Zum Video

Zusammenfassung

Im Video bezieht sich der Interviewer, Daniel Davis, auf die Erklärung des russischen Aussenministers Sergej Lavrov in Maputo am 9. Juli 2026. Darin geht Lavrov, unter anderem, auf die russische Einschätzung der Entwicklungen in der Ukraine ein. Er sagt:

[...] Wir haben unsere Einschätzungen der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine dargelegt, insbesondere des Vorgehens des Westens, der, obwohl er vorgibt, zu Gesprächen bereit zu sein, nun – wie die Europäer verkündet haben – unverblümte Ultimaten gegen die Russische Föderation stellt. Der Westen fordert heuchlerisch weiterhin eine Verhandlungslösung. Verhandlungslösungen wurden – unter seinen Garantien – bereits 2014, 2015 und 2019 erzielt. In all diesen Fällen brachen die westlichen Garantiegeber ihre eigenen, sich als ungültig erweisenden Garantien. Auch 2022 wurde eine Verhandlungslösung zwischen Russland und der Ukraine erzielt. Diese wurde jedoch vom Westen selbst offen und öffentlich untergraben. Wir werden dem Westen kein Vertrauen mehr schenken, wenn er behauptet, Verhandlungslösungen anzustreben. Wir haben jeglichen guten Willen und jede Hoffnung verloren. [...]

Der Politikwissenschaftler John Mearsheimer argumentiert, dass der Krieg in der Ukraine militärisch entschieden werde und nicht durch Verhandlungen. Russland werde sich auf dem Schlachtfeld durchsetzen; realistisch sei kein Friedensvertrag, sondern allenfalls ein Waffenstillstand oder ein eingefrorener Konflikt. Das gegenseitige Misstrauen zwischen Russland und dem Westen sei auf absehbare Zeit irreparabel.

Er interpretiert Lawrows Aussage, Russland vertraue dem Westen nicht mehr, als Konsequenz einer langen Geschichte gebrochener westlicher Zusagen – von früheren Verhandlungen mit Russland bis zum iranischen Atomabkommen, aus dem die USA ausgestiegen seien. Daraus folgert er, dass die Glaubwürdigkeit westlicher Diplomatie aus Sicht Moskaus weitgehend zerstört sei.

Für die Ukraine sieht Mearsheimer den Krieg als strategisch verloren. Die zunehmenden Proteste gegen die Zwangsmobilisierung – inzwischen auch in traditionell nationalistisch geprägten Regionen der Westukraine – deuteten seiner Ansicht nach darauf hin, dass immer mehr Menschen den Krieg als aussichtslos wahrnähmen. Er zieht einen Vergleich zum Vietnamkrieg: Sobald Soldaten und Bevölkerung erkennen, dass ein Krieg nicht mehr zu gewinnen ist, breche die Bereitschaft zusammen, weitere Opfer zu bringen.

Die Hauptverantwortung für die Fortsetzung des Krieges sieht er bei den westlichen Staaten. Diese nutzten die Ukraine, um Russland militärisch zu schwächen, während die menschlichen Kosten fast ausschliesslich von der ukrainischen Bevölkerung getragen würden. Aus dieser Sicht hätte ein früher Waffenstillstand – etwa auf Grundlage der Istanbuler Verhandlungen 2022 – im Interesse der Ukraine gelegen; jede Verzögerung verschlechtere ihre Verhandlungsposition.

Zugleich widerspricht Mearsheimer der Darstellung, der Westen reduziere sein Engagement. Im Gegenteil: Nach seiner Einschätzung intensivieren USA und europäische NATO-Staaten ihre Unterstützung, insbesondere beim Ausbau des ukrainischen Drohnenkriegs. Er sieht darin eine faktische direkte Beteiligung westlicher Staaten am Krieg gegen Russland.

Abschliessend warnt er vor einer weiteren Eskalation: Sollten die russischen Streitkräfte den ukrainischen Drohnenkrieg nicht eindämmen können und sich der Krieg weiter hinziehen, hält er russische Angriffe auf militärisch relevante Ziele in Europa für möglich. Diese Entwicklung wertet er als Folge einer westlichen Strategie, die auf militärische Konfrontation statt auf Verhandlungen setzt.


Ohne Transparenz gibt es kein Vertrauen

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"Die Verpflichtung zum Widerstand beginnt dort, wo man erstens das Verbrechen und den Katastrophenweg erkennt, und zweitens die Möglichkeit hat, etwas dagegen zu tun" (Kurt Sendtner)

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Reden und diskutieren wir mit Andersdenkenden - Setzen wir uns für unsere Anliegen ein - Demonstrieren wir - Seien wir Ungehorsam - Handeln wir friedlich.

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